Preparing students to succeed in the 4th Industrial Revolution

Zusammenfassung einer globalen Videokonferenz

Eine im wahrsten Sinne „globale Konversation“ fand heute, Montagmorgen (Wiener Zeit), im Rahmen des Education World Forums (22.-25.1.2017, London) statt: Zu den 350 Personen im Auditorium sowie den Expert/innen am Podium in London gesellten sich online Expert/innen in Frankreich, Indien, Südafrika, Südkorea, Japan und Australien sowie Lehrer/innengruppen und Twitter-Nutzer/innen verteilt über den ganzen Globus.

Die „globale Konversation“ ist in voller Länge als Video dokumentiert (1h45′) …

Die wesentlichen inhaltlichen Aussagen der ca. zweistündigen Konferenz:

  • >> Fast Forward die Schüler/innen für die 4. Industrielle Revolution vorbereiten: Schule muss fürs 21. Jahrhundert mit all seinen Unwägbarkeiten vorbereiten; dabei ist in vielen Ländern der Spagat zwischen „1st Century Skills“ (basale Literalität) und „21st Century Skills“ zu schaffen; aber anders gelingt es nicht „alle“ mitzunehmen. Wesentliche Kennzeichen dieser Bildung ist die Fähigkeit, (sich ständig entwickelndes/veränderndes) Faktenwissen mit Erkenntniswissen (Epistemologie) zu verknüpfen. Die Fähigkeit zum forschend-wissenschaftlichen Zugang ist dabei von großer Bedeutung. Oder, wie eine Konferenzteilnehmerin aus Südkorea es formuliert: „What can we do that our students fall in love with science?“
  • Eine Vision für „21st Century Skills“ ist notwendig. Die muss sich auch hinsichtlich der 4. Industriellen Revolution fragen: Wohin soll diese führen? Mit bzw. für wen? Und zu welchem Zweck? Technologie muss sich dabei ethisch und pädagogisch „unterordnen“.
  • Menschlichkeit: Gerade Länder wie Ägypten erleben angesichts einer Szene an Terroristen, die allesamt technisch-wissenschaftlich gebildet, kooperations- und problemlösungsfähig sind, dass ein Bildungssystem auch wesentliche menschliche, ethische und gesellschaftliche Fragen mitbehandeln muss.
    Große Gesellschaften wie Indien müssen die Frage bewältigen, wie sie den für die Massenbildung notwendigen IT-Einsatz mit den gesellschaftlichen Entwicklungsfragen verbinden.
    Insofern bedeutet 21st Century Skills insbesondere die Befähigung ethisch verantwortbare Entscheidungen treffen zu können; und das angesichts von Gesellschaften mit wachsender Diversität.
  • Digitalisierung: IT ist der Hebel, um Bildung tatsächlich in dramatischem Ausmaß zu verbessern. Das zeigt zB ein Projekt in Ägypten (Egyptian Knowledge Bank), in dessen Rahmen die ägyptische Regierung multimediale Inhalte von globalen Anbietern – Elsevier; National Geographic etc. – der gesamten Bevölkerung zur Verfügung stellt und gleichzeitig die Pädagog/innen bei der curricularen Umsetzung der Inhalte unterstützt.
    Wichtig ist, Digitalisierung nicht rückwärtsgewandt als „Geschichte der Verluste“ (alter Lehr-/Lernparadigmen) zu erzählen, sondern im Sinne der Ermöglichung neuer pädagogischer Chancen. In diesem Sinne ist auch Gavin Dykes (Chair der Konferenz) zu verstehen, wenn er sagt: „A teacher, who can be replaced by a computer, should be!“ (Anmerkung des Verfassers: Die Digitalisierung ermöglicht der Pädagogischen Profession neue Möglichkeiten, von Bildung als „BEFÜLLUNGSgeschehen“ zu Bildung als BEZIEHUNGSgeschehen weiterzuschreiten.) In diesem Sinne gilt: „Innovate, don’t digitize!“ (Vgl. https://tech.ed.gov/files/2015/04/Developer-Toolkit.pdf)
  • Pädagogische Professionalisierung: Die Pädagog/innen brauchen inspirierende, illustrierende und insb. authentische eigene Erfahrungen, was diese neue Lernkultur betrifft. Und zwar nicht im Sinne des Erwerbs der Fähigkeit zur Bedienung digitaler Technologie, sondern letztlich im Sinne der Erfahrung, wie die Technologie dem Lernen nützt. Eine der Fragen der Professionalisierung im Zusammenhang mit IT könnte sein: Wie kann das Digitale mir helfen, mehr „quality time“ mit den Schüler/innen zu verbringen?
    Die Entwicklung einer Lernkultur weg vom „Memorieren“ hin zu epistemologischem „deep learning“ ist übrigens auch ein Beitrag zur Reduzierung des Gender-Gap: Ersteres bevorzugt nämlich, lt. Andreas Schleicher, einseitig die Buben.
    Professionalisierung ist insbesondere daran zu messen, in wieweit sie die Mitglieder der Profession befähigt, im Alltag neu und angesichts der Herausforderungen wirksam zu werden. Insofern kommt es – wieder einmal – auf die Lehrer/innen und deren Veränderung ihres Lehrens an – und nicht auf die Technologie.
    Professionalisierung muss auch sichtbar und wertgeschätzt werden – das braucht entsprechende Methoden und Orte, an denen Lehrpersonen ihre Professionalität gemeinsam designen können. Diese Prozesse haben auch Einfluss auf die Selbstwirksamkeit von Lehrpersonen und deren Selbstbewusstsein. In solche Prozesse auch Assessment in den Diskurs mit hineinzunehmen, ist „mission-critical“.
    Pädagogische Professionalisierung braucht auch Zeit und Wertschätzung; wo das nicht bedacht ist, wird die Aufforderung zu Veränderung oft als zynisch wahrgenommen; Entwicklung kann so nicht stattfinden.
  • Assessment: Die Assessment-Kultur bestimmt in vielfacher Hinsicht die Lernkultur. Beispielsweise weist das „Abschreib-Tabu“ darauf hin, dass Faktenwissen als bedeutsamer eingeschätzt wird als Denk-, Innovations- und Synthesefähigkeit. Andernfalls müssten die Aufgabenstellungen bei Prüfungen nämlich anders ausschauen …
    Im Sinne von „backwards design“ empfiehlt es sich also, nicht nur die gewünschten Lernergebnisse, sondern auch die dafür adäquaten Prüfungsmethoden schon von vornherein ins Lerndesign mit einzubeziehen, und nicht unhinterfragt als gegeben hinzunehmen. Das sollte so weit reichen, sich auch Fragen über das Assessment der eigenen Wirksamkeit (als pädagogische Profession) zu stellen.
    Wichtig wäre letztlich sich immer klar zu machen, dass Assessment das Lernen messen, aber nicht antreiben und motivieren soll.
  • Empowerment/Bestärkung ALLER Beteiligten! Das ist bei den Lernenden, die dabei unterstützt werden sollten zu lernen, was sie selbst interessiert und so ins Engagement bringt, ebenso wichtig wie bei den Lehrenden: Pädagog/innen wollen schon in der Designphase der Innovation mitbefasst und inkludiert (und nicht nur gewerkschaftlich vertreten) sein. Lehrer/innen fühlen sich sehr oft gehindert, die Personen zu sein, die sie sein möchten. In diesem Sinne müsste man die Kraft der Pädagogischen Profession „von der Leine“ lassen und Mechanismen, die Innovation „bestrafen“, erkennen und abstellen. Und man muss – s.o. – den Pädagog/innen die Zeit und Gelegenheit zur Entwicklung geben.
    Es muss auch die Frage gestellt werden, was das Bildungswesen beispielsweise von der Industrie lernen kann. Dafür müssen herkömmliche Grenzen aufgebrochen werden, und es sollte – über System- und Professionsgrenzen hinweg – das Lernen gemeinsam reflektiert und entwickelt werden.
  • Notwendige Systemöffnung und Systementwicklung: Bildung darf nicht vom Rest der Gesellschaft abgetrennt und losgelöst betrachtet werden. Und in diesem Sinne ist es auch die Aufgabe der Gesellschaft, nicht auf die „Raumschiffe“ zu warten, die die „Lehrpersonen der Zukunft“ auf der Erde abladen bzw. darauf zu warten, bis die Bildungsministerien dieses Planeten alles erledigt haben.
    Traditionelle Systeme stehen alle vor der Herausforderung, dass sie aus ihrem Inneren heraus Wesentliches selten erkennen geschweige denn selbst-transformativ umsetzen können bzw. wollen. Die notwendige Veränderung wird daher nicht ohne „signifikante Krisen“ und relevanten Einfluss von außen zu den qualitativ verändernden Sprüngen („leapfrogging“) auf die nächste Stufe kommen. Ein Analogie-Beispiel kann hier zB das Verständnis der Blockchain liefern. In diesem Sinne geht es nicht darum, bestimmte Aspekte des „Bildungsgebäudes“ zu reformieren und ein wenig zu verbessern; manchmal führt die Entwicklung auch zu komplett neuen Lösungen. (Anmerkung des Verfassers: Auch Flugzeuge können sich schnell auf dem Boden bewegen; aber das eigentlich Innovative ist ihre Fähigkeit zum Fliegen und nicht schneller als Autos oder Züge zu fahren … 😉
    In solchen Zusammenhängen ist es auch wichtig, den Unterschied zwischen dem Konzept von Standards (als sinnvollen Benchmarks, an die es heranzukommen bzw. die es zu übertreffen gilt) und Standardisierung als vereinfachender Komplexitätsreduktion zu beachten bzw. ggf. zu klären.
    Es ist härter, sich von einem guten zu einem großartigen System zu bewegen als aus der Mittelmäßigkeit zu guter Praxis zu kommen. Eine der methodischen Ansatzpunkte zu solchen Bewegungen kann die Auseinandersetzung mit globalen Themen in lokalen Kontexten sein. Stärkend kann auch sein, sich der Veränderung „backwards“ in folgenden Schritten zu nähern: Worin besteht die Herausforderung? Was könnte eine Lösung aussehen? Und wie sieht ein Prototyp dafür aus? Diese Konzepte werden dann so präsentiert (zB Schüler/innen), dass diese auch in der Lage sind Kritik daran zu üben.
  • Learning Leadership: Die zentrale Rolle der Schulleitungen in Veränderungsprozessen ist bekannt. Es kommt aber auch darauf an, an jedem „Knoten“ im „Netzwerk“, an dem Leadership notwendig ist, diese nicht missen zu lassen.

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