Bildung in der digitalen Welt – Zur Strategie der deutschen Kultusministerkonferenz: Eine Leseempfehlung

Erstveröffentlichung im Onlinecampus Review Ausgabe: #29 Dezember 2016

bildschirmfoto-2017-01-11-um-13-50-28Am 8. Dezember hat die deutsche Kultusministerkonferenz KMK, die die in Bildungssachen an und für sich selbstständigen deutschen Länder koordiniert, ihr lesenswertes Digital-Strategiepapier veröffentlicht. Der Publikation ging ein mehrmonatiger Diskurs- und Entwicklungsprozess voraus, der u.a. in dem von der Uni Wien herausgegebenen österreichischen Online-Magazin medienimpulse gut nachvollziehbar dargestellt ist. (http://www.medienimpulse.at/articles/view/993)

Zitat: „Die Digitalisierung unserer Welt (…) ist für den gesamten Bildungsbereich Chance und Herausforderung zugleich,“ (S. 8) und weiter: „Der Umgang mit der Digitalisierung im Schulbereich – wie im Bereich der Hochschullehre auch – folgt dabei dem Primat des Pädagogischen und muss in pädagogische Konzepte eingegliedert sein, in denen das Lernen im Vordergrund steht.“ (S. 51) So äußert sich der Text klipp und klar und auf Augenhöhe mit dem aktuellen Diskurs. Sowohl die je spezifische fachintegrierte Nutzung digitaler Medien und Werkzeuge als auch der explizite Aufbau informatischer Kompetenzen ist Teil des am europäischen DigComp-Modell (https://ec.europa.eu/jrc/en/digcomp/digital-competence-framework) orientierten Katalogs der „Kompetenzen in der digitalen Welt“ im Dokument; der im DigComp-Modell eher vage formulierte Punktes 5 wird um den Unterpunkt „Algorithmen erkennen und formulieren“ ergänzt; dazu gesellt sich im KMK-Papier als neuer Punkt 6 der von vielen Medienpädagog/innen eingeforderte Aspekt des Analysierens und Reflektierens.

Insbesondere in der Formulierung des Anspruchs an die Lehrpersonen lässt das Dokument an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. „Der Aufbau medialer und medienpädagogischer Kompetenzen ist Aufgabe der Fachdidaktiken, der Fachwissenschaften und der Bildungswissenschaften.“ (S. 24) „Für sich bereits im Schuldienst befindende Lehrkräfte sind Fortbildungsmaßnahmen erforderlich,“ (S. 25) und: „Ein nachhaltiger Kompetenzerwerb erfordert Abstimmung der Beteiligten innerhalb der (…) Phasen der Lehrerausbildung“ (S. 27) – also starker Rückenwind für alle diesbezüglichen Initiativen und Projekte. Weiters wird der „schulische Raum“ ganz klar als durch digitale Lernumgebungen mittelfristig zu ergänzen definiert – neue Architekturen, eine neue Raumordnung und neue Verkehrsregeln und Hausordnungen, die Digitales und Analoges kombinieren, stehen also an. BYOD – bring your own device – ist deutlich präferiertes Endgerätszenario, wobei bei allen Fragen, die Finanzierung und Durchsetzungsmacht brauchen, auch die Grenzen der KMK und ihrer Strategie deutlich machen. Das Papier geht zwar soweit, auch konkrete Gesetzesvorhaben, die der Umsetzung der Strategie helfen würden, zu umreißen, bleibt aber bei vielen Themen (insb. der Frage der Bildungsmedien) vage und plant Verbindlichkeit in den adressierten Themen digitale Lernumgebung (erst?!) bis 2021 bzw. bei den Kompetenzen in der digitalen Welt für alle Schüler/innen, die die Sek I verlassen, bis 2024.

Die organisatorischen (zB: Welche Institutionen braucht es neu und wie muss die Zusammenarbeit organisiert werden?), legistischen (zB: Wie kann ein ID-Management-System aufgesetzt werden? Wie können länderübergreifende Synergien konkret genutzt werden?) und finanziellen (Wer errichtet die notwendige Connectivity-, WLAN- und Präsentationsgerät-Infrastruktur? Wer zahlt OER?) Herausforderungen sind groß – keine Frage. Aber ein wichtiger Meilenstein ist erreicht. Und die KMK hat nicht vor, nun die Hände in den Schoß zu legen: „Die Handlungsfelder der allgemeinen und politischen Weiterbildung im Rahmen einer digitalen Welt werden von der Kultusministerkonferenz bis Herbst 2017 erarbeitet.“ Wohlan! Und, wie gesagt: Eine Leseempfehlung!

Download der Strategie „Bildung in der digitalen Welt“: www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/PresseUndAktuelles/2016/Bildung_digitale_Welt_Webversion.pdf

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